Allgemeine Informationen

Der römische Architekt, Ingenieur und Schriftsteller Marcus Vitruvius hat in seinen `Zehn Büchern der Architektur` schon im 1. Jahrhundert v.u.Z. die Herstellung von Estrich beschrieben. In einer deutschen Übersetzung von August Rohde aus dem Jahr 1796 heißt es zu `Ästrich auf Fußböden in Gestöcken`: Ist der bretterne Boden vollendet, so bestreue man ihn, wofern kein Farnkraut zur Hand ist, mit Spreu, um das Holzwerk vor des Kalkes Ätzkraft zu schützen. Sodann verfestige man darauf die Unterlage aus Steinen, die nicht kleiner als Handvöllig seyn dürfen. Nachdem die Unterlage gemacht, so überziehe man sie mit einem Mengsel von Ziegelschutt und Kalk: wird eine frische Masse hinzu genommen, so mischt man zu drey Theilen gestoßene Steine Einen Theil Kalk; ist sie aber schon einmalig gebraucht worden, so muss sich die Mischung wie fünf zu zwey verhalten. Wenn diese Masse ausgebreitet ist, so lasse man sie von ihrer zehn Leuten mit hölzernen Handrammen fleißig stampfen damit sie fest werde; man höre jedoch nicht eher mit dem Stampfen auf, als bis sie nicht mehr als drey Viertel der anfangs gehabten Dicke behält. Hierüber verbreite man sodann den Kern, der aus einer Mischung von drey Theilen Ziegelmehl zu zwey Theilen Kalk besteht; und richte es also ein, daß der ganze Ästrich nicht dünner, als sechs Zoll werde. Endlich auf den Kern lege man, nach Schnur und Richtscheit, mit aller Genauigkeit das Pflaster aus viel- oder würfelförmigen Platten.

Heute wird Estrich auf tragendem Untergrund oder einer Trenn- bzw. Dämmschicht bauseits aus einer oder mehreren Estrichmörtelschichten in verschiedenen Verfahren hergestellt. Estrich ist Füll- und Ausgleichsstoff aber zugleich auch eine Lastverteilungsschicht, in der sich Fußbodenheizung und Dämmmaterial befinden können. Nach erreichen der gewünschten Höhe leitet Estrich auftretende Verkehrslasten in den Untergrund ab, dient als unmittelbare Nutzfläche oder nimmt Bodenbeläge auf. Man unterscheidet verschiedene Estricharten und -konstruktionen die nach Bindemittel, Eigenschaften, Aufbau und Material unterschieden werden. Estriche werden in der DIN 18560 nach Art des verwendeten Bindemittels, Nutzungsart und Verlegetechnik mit verschiedenen Kurzzeichen (DIN EN 13813) unterschieden, bspw. Gussasphaltestrich (AS) und Industrieestrich (F). Außerdem sind verschiedene Kurzzeichen für Estricheigenschaften (Druckfestigkeit (C), Oberflächenhärte (SH), etc.) in der DIN EN 13813 festgelegt.

Estrich wird in Druck- und Biegezugfestigkeitsklassen klassifiziert. Die Druckfestigkeit wird z.B. in `C16` angegeben. C steht für Druckfestigkeit und 16 für 16 N/mm². Es gibt Abstufungen von C5 bis C80. Die Biegezugfestigkeit wird in F1 bis F50 beschrieben. Für die Zahl gilt hier dieselbe Einheit N/mm².

Bezeichnungsbeispiel für einen Zementestrichmörtel nach DIN EN 13813 mit der Druckfestigkeitsklasse 20 N/mm² (C20) und der Biegezugfestigkeitsklasse 4 N/mm² (F4): EN 18813 CT-C20-F4

Als Verlegearten kommen in Frage: Hand- bzw. kellenverlegter Estrich, selbstnivellierender Fließestrich oder Fertigteile bzw. Trockenestrich.

Der Beruf `Estrichleger` ist ein anerkannter Ausbildungsberuf. Die Ausbildung dauert 3 Jahre. Nach dem Berufsbildungsgesetz ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. Ca. ¾ der Auszubildenden haben einen Hauptschulabschluss. Der Estrichlegermeister ist eine berufliche Fortbildung in einem zugelassenen Handwerk, die durch die Handwerkskammern geregelt ist. Ein Vorbereitungskurs dauert in Voll- bzw. Teilzeitform rund ein bzw. zwei Jahre und schließt mit der Meisterprüfung ab.



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