Estrich nach Bindemitteln
- Zementestrich (CT)
Die am meisten verwendete Estrichart setzt sich, wie andere Estricharten auch, aus dem Bindemittel (hier: Zement), Gesteinskörnung, Zugabewasser und soweit erforderlich aus Zusatzmitteln und -stoffen zusammen. Das Mischungsverhältnis von Zement zu Sand beträgt in etwa 1:4. Je nach Estrichdicke werden Sande der Korngruppe 0-4, 0-8 sowie ab 50 mm Estrichnenndicke Kies mit 0-16 mm verwendet. Durch geeignete Zusätze wird beispielsweise die Verarbeitbarkeit erhöht. Nach 3 Tagen kann der `CT` begangen und nach sieben Tagen geringfügig belastet werden. Nach 21 Tagen ist der für alle Nutzungsbereiche einsetzbare Estrich voll beanspruchbar. Er ist als Heizestrich geeignet, unempfindlich gegen Feuchtigkeit, beständig gegen säurefreie Fette bzw. Öle und hat eine hohe Festigkeit. In der DIN 18560 wird der zementgebundene Estrich in 8 Festigkeitsklassen eingeteilt. Nach dem Einbringen ist Zementestrich mindestens 3 Tage vor dem Austrocknen zu schützen und auf mindestens 5°C Temperatur zu halten. Danach sollte der Estrich noch eine Woche vor Wärme, Schlagregen oder Zugluft geschützt werden.
Zementfließestrich erleichtert durch Zusatzmittel die Verlegung. Der körperliche Aufwand beim Einbau und das Ausnivellieren werden reduziert.
Erhärteter Zementestrich mit Natursteinkörnungen wie Marmor und geschliffener Oberfläche wird als Terrazzo bezeichnet.
Nach Zugabe von Hartstoffen bezeichnet man Zementestrich als zementgebundenen Hartstoffestrich.
- Calciumsulfatestrich bzw. `Anhydritestrich` (CA)
Bei diesem Estrich wird statt Zement das Bindemittel Anhydrit eingesetzt. Die Korngröße der verwendeten Sande beträgt 0-8 mm. Nach DIN 18560 ist Calciumsulfatestrich als Verbundestrich, Estrich auf Trennschicht und als Heizestrich auf Dämmschichten geeignet. Obwohl ungeeignet bzw. nicht zugelassen als Nutzestrich ohne Belag, im Außenbereich, in Feucht- oder Nassräume bietet der Estrich aber auch viele Vorteile. Man kann Anhydritestrich großflächig fugenlos verlegen, man benötigt keine Bewehrung, er ist biologisch und ökologisch unbedenklich und weist eine hohe Biegezug- und Druckfestigkeit auf. Der Estrich quillt und schwindet kaum, bindet spannungsfrei ab und hat eine hohe Frühfestigkeit. Außerdem ist diese Estrichart hervorragend als Heizestrich geeignet, da bereits nach 7-10 Tagen mit dem Aufheizen begonnen werden kann und er eine optimale Wärmeleit- und Speicherfähigkeit hat.
Der Estrich kann auch als calciumsulfatgebundener Fließestrich hergestellt werden.
- Gussasphaltestrich (AS)
Gussasphaltestrich besteht aus Bitumen, Naturasphalt, Splitt, Sand und Füller (Gesteinsmehl). Als Estrichmasse wird das Mischgut mit einer Temperatur von 220-250 °C eingebaut. Nach Abkühlung ist der Estrich bereits voll belastbar und nach 2-3 Stunden hat er seine Endfestigkeit erreicht. Gussasphaltestrich ist nahezu dampfdicht, geruchlos, dimensionsbeständig, hohlraum- und wasserfrei. Bei diesem Estrich wird kein Wasser ins Bauwerk gebracht. Wegen seiner geringen Wärmeleitfähigkeit ist er zur Wärmedämmung gut geeignet und mindert zudem die Trittschallübertragung. Die Mindestnenndicke bei Gussasphaltestrich beträgt lediglich 25 mm.
- Magnesiaestrich (MA)
Magnesia- oder auch Magnesitestrich besteht aus Magnesia, Magnesiumchlorid in wässriger Lösung und je nach Beanspruchung Papierkornmehl, Quarzsand, Weichholzspänen, Textilfasern oder künstlichen Hartstoffen. Er wird im Wohn- und Industriebereich eingesetzt und eignet sich wegen seiner Leitfähigkeit als Antistatikboden. Magnesiaestrich bietet durch seine geringe Wärmeleitfähigkeit guten Wärmeschutz, ist schalltechnisch günstig und ist schlag- und stoßfest für Böden mit hoher mechanischer Belastung. Der Marktanteil ist gegenüber anderen Estrichen gering, hat aber einen steten Zuwachs. Durch seine hohe Empfindlichkeit gegen Dauerfeuchte ist er für Nassräume, in Außenbereichen und bei starker Wasserbelastung in der Industrie ungeeignet. Es ist darauf zu achten, dass der Estrich nicht mit Metallen in Berührung kommt, z.B. bei einer Stahlhalle, da das Metall sonst korrodiert. Zwischen Magnesiaestrich und Stahlbeton muss deshalb auch eine Sperrschicht angeordnet werden. Der Estrich kann ohne Belag als Nutzestrich verwendet werden. DIN 18560 teilt den Estrich in 7 Festigkeitsklassen ein.
- Kunstharzestrich (SR)
Kunstharzestrich besteht aus synthetischem Reaktionsharz als Bindemittel und Sand. Stimmen Untergrund- und Lufttemperaturen, kann der Estrich nach 10 Stunden begangen und nach 3 Tagen belastet werden. Der Estrich ist wasserbeständig und hat eine hohe Festigkeit. Sicherheitsbestimmungen für die Härter im Epoxidharz müssen dringend beachtet werden.
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